Mit dem Motorsegler nach Kroatien

Unsere Nachwuchspiloten Nils und Pascal haben sich einen Traum wahr gemacht und sind mit dem Vereins-Motorsegler nach Kroatien in den Urlaub geflogen. Hier Nils‘ Bericht zu der Aktion.

Pascal und Nils mit Motorsegler auf der kroatischen Insel Lošinj

03.07.2021

Sechs Uhr morgens, der Wecker klingelt. In der Nacht kaum ein Auge zubekommen, quälen wir uns aus dem Bett, wohlwissend, dass wir in zwei Stunden auf dem Weg nach Kroatien sein werden. Schnell unter die kalte Dusche und in Kombination mit der Vorfreude sind wir dann auch schon wach. Noch fix Omis Kuchen vom Vortag als Wegzehrung eingepackt und los geht‘s zum (vereinsintern augenzwinkernd als „internationaler Verkehrslandeplatz“ betitelte) Flugplatz Eudenbach, von wo aus das Abenteuer starten soll.

Den Motorsegler haben wir am Vortag schon randvoll getankt und gecheckt, denn die Reise soll ja schließlich ohne Zwischenfälle verlaufen. Ohne Zeitdruck räumen wir die restlichen Sachen ein und machen alles entspannt fertig. Nach dem abgeschlossenen Boarding dann die finale Ruderkontrolle.

Nachdem wir der DFS mitgeteilt haben, dass wir ein bisschen später dran sind als gedacht, rollen wir zur Startbahn. Mit einer MTOW von 650kg und dem tauüberdeckten, in der Morgensonne glänzenden Gras, das auch mal wieder gemäht werden könnte, entschlossen wir uns dazu, lieber ein paar Meter mehr Anlauf für den Start zu nehmen. Kurz bevor die Tragfläche beim Rollen den am Startkopf liegenden Wald touchierte, drehten wir die Maschine in Startrichtung ein.

Vollgas bei 2600 RPM und 50 RPM Drehzahlabfall bei gezogener Vergaservorwärmung. 

QNH 1017.

Kraftstoffpumpe ein, Kühlluftklappe offen, SQUAWK 7000 active. 

Wasserflasche gesichert.

„D-KPCH startet Piste 09“

Der Motor dreht hoch, man spürt förmlich die geballte Kraft von 80PS bei Vollgas. Aber sind wir mal ehrlich. Ein Rasenmäher hätte bei gleicher Geräuschkulisse vermutlich besser beschleunigt. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Als dann nach einer halben Ewigkeit der Schwanz in der Luft ist, greift so langsam auch die Kraft des Auftriebes an den Tragflächen und der Motorsegler erhebt sich nach ein paar kleinen Hopsern gemächlich in die Luft. „Endlich geht es los“, denken wir, endlich raus aus dem vom von Schlechtwetter geplagten Deutschland.

Ein Gefühl von Freiheit macht sich breit. Es fühlt sich an, als könnten wir überall hinfliegen, was schlussendlich ja auch so ist! Der öde Alltag, die Schule, das Studium – vergessen. 

Tiefliegende Wolken in den Tälern vom Westerwald bescheren uns so früh am Morgen einen schönen Anblick.

 

Als wir nach einer Stunde Flugzeit Frankfurt passieren, entscheiden wir uns etwas höher zu steigen, da auf 5000ft laut Wetterbericht der Wind etwas günstiger sein sollt. Mit über 86 Knoten Groundspeed (160km/h) marschieren wir dann Richtung München. Genauer gesagt nach Oberschleißheim/EDNX.

In der ruhigen Luft konnte man fast meinen, mit der richtigen Trimmung und Seitenruderstellung einen Autopiloten zu haben. So gestaltet sich das Fliegen als sehr entspannt, bis sich die ersten Cumuli bilden und Bewegung in die Luftmasse kommt.

Zehn Minuten vor der Ankunft in EDNX melden wir uns an und bitten um Landeinformation. Doch Entweder hat der Info-Lotse einen schlechten Tag oder ihm hat die Buchstabensuppe zum Frühstück gefehlt. Mehr als „Piste 07“ war als Antwort leider nicht drin. „Besser als nichts“, denken wir. Nach der Landung wartet bereits wie verabredet ein Freund auf uns in Oberschleißheim. Er nimmt uns mit nach München, zeigt uns Marienplatz, den Olympiapark und Co.. Eine willkommene Abwechslung nach drei Stunden Flug im „Joghurtbecher“, dessen Sitzkomfort durchaus ausbaufähig, um nicht zu sagen schwer ertragbar ist. Nach einer abschließenden kulinarischen Delikatesse, dem gelben „M“, ist es um halb drei wieder höchste Zeit wieder zum Flugplatz zurückzukehren. Schließlich müssen wir noch tanken und weitere drei Stunden vierzig fliegen. 

Als wir dann unsere standardmäßigen zwei (oder vielleicht auch drei…) Verspätungsmeldungen bei der DFS abgegeben haben und endlich jemanden gefunden haben, der uns die Tanksäule öffnet, rollen wir in Richtung Piste. An „Piste 07“ hat sich in der Zwischenzeit, genauso wie an der Redseligkeit des Info-Lotsens, nichts geändert. 

Mit einem leichten Grinsen im Gesicht geht es dann zum Rollhalt. Gleiches Prozedere wie in Eudenbach und ab dafür. Auf der Asphaltpiste diesmal um einiges schneller. 

Mit dem Verlassen der Platzrunde nach Süden und dem Überfliegen der Allianzarena kommen dann auch die ersten großen Berge in Sicht. Für uns Flachlandflieger nach wie vor ein beeindruckendes Erlebnis. 

Trotz des außerordentlich guten Wetters, (eigentlich hätte man den Tag im Segelflieger verbringen müssen! – das bedauerten wir beide sehr), orientieren wir uns an den in unserem Flugplan angegebenen GAFOR-Routen, die allesamt mit dreimal Oscar (ausgezeichnetes Wetter) betitelt sind.

Gerade erst noch von Wien Information mit einem herzlichen „Griaß di“ begrüßt worden, dauert es nicht lange, bis plötzlich die Funkverbindung abreißt. Logisch, wenn man bedenkt, dass wir gerade in ein Tal eingeflogen waren. Trotzdem eine ungewohnte Situation, mit der wir nicht gerechnet hatten. Nach kurzer Zeit wissen wir aber, dass dies normal ist und der Lotse nicht sofort die Rettungskette auslösen würde.

Erster Wegpunkt: Zell am See

Zell am See

Zweiter Wegpunkt: Mauterndorf

Hier konnten wir dann auch endlich wieder den schönen wienerischen Akzent vom Lotsen hören ;).

Mit der Clearance direct „NIPEL“ (dem Österreichisch – Slowenischen Grenzübergang direkt neben dem „Hochstuhl“) geht es dann auf FL100 (3000m) querfeldein. Wir hätten auch auf Fl195 (ca. 6000m) gedurft, haben aber nichts zum Schnüffeln mit.

Einfach fantastisch kleine unzugängliche Gebirgsseen aus der Luft zu erspähen, die in ihrem tiefen kristallklaren Blau in der Sonne funkeln.

Über dem wundervollen Kärnten beim Wörthersee erfolgt dann die Übergabe an Ljubljana Information.

Faaker See

Ein Glück ist Pascal schon sehr erfahren was englischen Funk angeht. Anders als der Lotse, denn der könnte meiner Meinung mal einen Englisch-Sprachkurs belegen… Den Teil seiner Ausführungen, die wir nicht zweifelsfrei verstanden haben, dichten wir uns dazu und folgen einfach der im Flugplan angegebenen Route. „Der Lotse wird sich schon melden, wenn ihm etwas nicht passt“, denken wir. So folgen wir dem „VFR 3“ Korridor gen Süden. Da dieser auf 7500ft gedeckelt ist, wir aber gerne die bequeme Höhe von 10.000ft beibehalten wollen, geht es rüber zu Radar und somit einem controlled VFR flight. Nun dürfen wir uns keine Abweichungen vom Kurs oder der Höhe erlauben. Aber so viele Stunden wie wir mit dem „Rentnerjet“, wie wir ihn auch liebevoll nennen, schon gejuckelt sind, keine große Herausforderung bei dem ruhigen Wetter.

So geht es über das doch sehr hügelige und dünn besiedelte Slowenien weiter nach Kroatien. 

Mit der Vorfreude, die in uns steckte, ist es inzwischen nicht immer leicht zwischen Euphorie und Hyperventilation zu unterscheiden. Aber das sollte dann erst auf dem Rückweg ein Thema werden. Wir freuen uns jedes Mal riesig, wenn wir schöne flauschige, quasi durchsichtige Wolkenfetzen, die auf Kurs lagen, berühren und fliegen dafür auch manchmal kurz den ein oder anderen Schlenker.

Die Stimmung ist klasse und dann, als bei Triest das erste Mal das Meer in Sicht kommt, wollen wir am liebsten rumhüpfen vor Freude. Doof nur, dass im Cockpit noch nicht einmal Platz ist, die Sonnencreme, die direkt hinter uns liegt, hervorzuholen.

Auch wenn wir schon oft am Meer waren, ist es dieses Mal etwas ganz besonderes für uns. Ein großer Jugendtraum wird wahr: Selber in den Urlaub fliegen. Wir erinnern uns mit einem Lachen im Gesicht an die Momente als Flugschüler vor ein paar Jahren zurück, wo wir aus Spaß meinten, dass wir ja irgendwann selbst mal hinfliegen werden, wo auch immer wir wollen.

Schließlich gelangen wir auch an der kroatischen Grenze an und wechselten zu Pula Radar und den Korridor von „VFR3“ zu „Adria1“.

„Dobre dan D-KPCH, proceed via your flightplan“ lautet dann die Bestätigung, dass wir zunächst Richtung Pula fliegen und anschließend einen leichten Knick nach links in Richtung Mali Lošinj machen sollen. Jedoch ist so wenig los, dass es eine Direct Clearance nach der anderen hagelt, sodass wir uns schnell auf direktem Lurs nach LDLO wiederfinden.

Den ein oder anderen Lacher beschert uns noch ein anderer Flieger, der den Lotsen nicht so recht versteht. Nach dem Motto „What are you doing“ und mit einem lauten Schlag auf den Tisch gibt der Lotse deutlich zu verstehen, dass er nicht sonderlich von dem Flieger begeistert ist.

Der Insel Cres entlang melden wir uns zeitnah bei Mali Lošinj Tower und bekommen damit auch die Einflugfreigabe für die Kontrollzone. Wunderschön, wie uns das Meer in der Abendsonne anfunkelt, wie die kleinen Boote gemütlich aus einer einsamen Bucht in ihren Heimathafen zurückkehren. Herrlich!


„D-KPCH runway 20 cleared to land“

Damit genug in der bezaubernden Landschaft geschwelgt. Krafstoffpumpe ein, Vergaservorwärmung ein, Wasserflasche (mittlerweile leer) verstaut. Die Anspannung ist groß, auch wenn es eigentlich nur eine Landung ist, wie jede andere auch. 

Tief über den Buchten, vorbei an den vor dem Flugplatz liegenden Ferienhäusern, die leider schon ausgebucht waren, kam die Schwelle immer näher.

Ein kurzes quietschen der Reifen und ein freudiges „wie Butter“ schallt lachend mit einer deutlich spürbaren Erleichterung durchs Cockpit. So sanft war diese Landung. 

Nach dem rausrollen nimmt uns dann der Follow-Me-Scooter in Empfang. Auf jeden Fall günstiger in der Unterhaltung als ein richtiges Follow-Me-Car und bei dem Bierbauch vom Fahrer auch nicht zu übersehen… Mit wilden Handzeichen werden wir dann zu unserem Parkplatz gelotst. 

Warme trockene Luft mit dem Geruch nach Meer schlägt uns nach dem Öffnen der Haube ins Gesicht. Die Zikaden zirpen als gäbe es kein Morgen. Das Feeling ist perfekt, fast so als wäre man gerade in Kalifornien aus dem Airliner gestiegen. Nur etwas kleiner, dafür wesentlich cooler!

„Hurry up! I am here since 8 o’clock in the sun.“ (oder so ähnlich) lautet dann die Aufforderung uns etwas zu beeilen, schließlich macht der Flughafen auch schon in einer halben Stunde zu.

Der „Marshaller“ muss jetzt noch durchgeben, wo wir gestartet waren. Na in „Oberschleißheim“ sagen wir. Doch auch bei mehrmaligem wiederholen bekommt sein Kollege jedes Mal „Oberscheißheim“ zu hören. Ein letztes Mal versuchen wir es. „O B E R S C H L E I ß H E I M“. Man kann ihm die Bemühungen förmlich ansehen, aber mehr als „Oberscheißheim“ kommt leider nicht rum. Seitdem ist es eben Oberscheißheim. Bei den Landegebühren auch irgendwo zurecht, denken wir.

Schnell alles zusammengerafft und ab zum Zoll. Nachdem die Beamtin endgültig davon überzeugt ist, dass Pascals Covid-Test gültig ist, nimmt unser Chauffeur schon das Gepäck und lädt es in den Shuttlebus ein. Anschnallen wird überbewertet, aber auch nur weil wir nicht drankamen und das den Fahrer nicht sonderlich zu interessieren schien. Die Hupe hingegen ist ein weitaus wichtigeres Element des Straßenverkehrs, wie sich auf der Fahrt herausstellt. Wie dem auch sei, nach einer Weile kommen wir sicher am Hostel an und das ist ja das was zählt.

Von da an: Ein ganz normaler Urlaub mit dem ein oder anderen Sonnenbrand, ein schönes gemütliches Zimmer mit Kühlschrank und eigenem Bad. Zu Fuß 10 Minuten zum Strand. Was will man mehr? An der Hafenpromenade dann erstmal so richtig geschlemmt und anschließend erschöpft ins Bett gefallen.

04.07.2021

Der erste Tag ist leider nicht so sonnig, trotzdem angenehm warm. Leider ist es keine sonderlich gute Idee am Strand einzuschlafen, auch wenn die Sonne nur schwach scheint. Nach dem Aufwachen leuchten wir beide wie die Infrarotlampen. Da ist das Meer eine willkommene Abkühlung.

Die Tage darauf erkunden wir die Insel so weit geht zu Fuß. Einmal sind es sogar 18km in Flip Flops. Von tollen Buchten über malerische Dörfer und uralte, verlassene Wege im Busch ist alles dabei. Wunde Füße dann auch irgendwann.

06.07.2021

Die Füße reif für eine Erholungspause, geht es am am Dienstag mit dem Boot los. Auf offenem Meer planschen ohne den Boden zu sehen hat doch einen ganz besonderen Reiz. Trotzdem wollen wir noch etwas schnorcheln und entscheiden uns für eine nur mit dem Boot erreichbare einsame Bucht, die genau in Verlängerung der „Piste 20“ liegt. Flugzeuge gucken, Meer, Sonne und Schnorcheln. Nur das Kölsch fehlt jetzt noch, es lässt sich aber dennoch ganz gut aushalten.

Da Mittwoch Wettertechnisch der einzige mögliche Tag sein sollte, wieder in die Heimat zu fliegen, verbringen wir den Dienstagabend hauptsächlich mit Essen und der Planung des Heimweges. Vom Wetter her soll es auch auf dem Rückweg die Route über Mauterndorf und Zell am See sein. Die alternative Route über Bolzano und dem Brennerpass scheint wieder dicht zu sein. Also drehen wir die Koordinaten alle um und schicken den Flugplan ab. 

Während des Elfmeterschießens zwischen Spanien und Italien, also auch dementsprechender Geräuschkulisse, um 23:36 Uhr dann der Anruf aus Langen. Zum Glück nix wildes, nur die EET’s der Grenzübergänge (mal wieder) vergessen. Inmitten von Fan-Gegröhle und dem klirren von Biergläsern wünscht uns der Mitarbeiter dann noch einen schönen Restabend.

07.07.2021

Der Shuttlebus war für 8 Uhr bestellt. Und wir sind dieses Mal in der Tat pünktlich. Das ist es auf jeden Fall Wert, erwähnt zu werden! Einem pünktlichen Abflug sollte also nichts im Wege stehen – wäre mir auf halber Strecke nicht doch noch aufgefallen, dass ich Lizenz und Impfpass im Hostel vergessen hatte… Pünktlichkeit, adé. Der zweite Anlauf klappt dann aber.

Durch die Zollkontrolle, die diesmal unproblematisch verläuft, hindurch zum Berappen der Lande,- Stand – und Shuttlegebühren. Pascal, der sich ziemlich, um nicht zu sagen über alle Maße, sicher war, dass das nicht mehr als 400kn sein würden, schluckt nicht schlecht, als es dann doch fast 1.000kn waren. Wir als arme Schüler sagen dann immer: „Wie gut, dass es Omas gibt“…

Der Tank ist nahezu leer, der Weg zur vermeintlichen Tankstelle allerdings mit luxuriösen Flugzeugen und Hubschraubern zugeparkt. Kein Problem, der Tank-truck ist bereits ohne unser Zutun unterwegs. Nur der Gepäckwagen fehlt, aber man muss die Kirche ja auch im Dorf lassen. 

Kurz nachdem das AVGAS die Tanknadel wieder nach oben schnellen lässt, machen wir uns Abflugbereit. Noch ein letztes Mal werden Einzelheiten zu der Route und möglichen Ausweichflugplätzen durchgegangen. Denn beim Checken des Wetters mussten wir feststellen, dass die GAFOR-Routen in den Alpen (anders als auf dem Hinflug) allesamt mit dreimal „Mike“ (schlechte Bedingungen) klassifiziert sind. Wir halten uns also so wie immer, mehrere Alternativen bereit, falls die geplante Route nicht nach Sichtflugregeln fliegbar ist.

Kurz vor dem einsetzenden Gewächshausfeeling bei geschlossener Haube noch ein letztes Mal Deo benutzt (hat nicht viel gebracht).

„Mali Tower D-KPCH, good morning“ – keine Antwort. Kurz darauf nochmal, „Mali Tower D-KPCH, good morning“. Wieder nichts. Dann ertönt eine Stimme, die uns mitteilt, dass der Verkehr unter der Woche unkontrolliert abläuft. Perfekt dachten wir, so können wir uns auch noch die Startrichtung aussuchen. Kaum war der Motor an, ist er auch schon auf Betriebstemperatur. Genau wie wir. Nur ölten wir um einiges mehr. Also Fenster auf, so weit es geht und ab dafür.

„D-KPCH taxiing via A to holding point Runway 20“

„D-KPCH holding point Runway 20 ready for departure, lining up runway 20“. „D-KPCH take off Runway 20“

Den Gashebel „auf den Tisch gelegt“ beschleunigen wir in Richtung Meer. Trotz der drückenden Hitze sind wir unerwartet früh in der Luft. Vorbei an der Bucht, in der wir am Tag zuvor mit dem Boot gelegen hatten, machen sich gemischte Gefühl bemerkbar: Einerseits trauern wir schon jetzt dem schönen Wetter hinterher. Wir wussten ja was uns in Deutschland zu erwarten hatte. Andererseits freuen wir uns auf den Rückflug. Ein Gefühl von Abenteuer. Und wo sonst kann man heutzutage noch Abenteuer erleben.

Ohne Probleme bekamen wir von Pula Radar die Freigabe für FL100. So steigen wir immer weiter und weiter. Ein beschwerlicher und mühsamer Weg. Doch auch dieser nimmt irgendwann ein Ende.

An der Slowenischen Grenze sind wir dann endlich auf unserer Reisehöhe von ca. 3000 Metern angelangt. Mit einer leichten Kursänderung nach Osten verwandelt sich unser Antrieb plötzlich vom gequältem Ottomotor zum Raketenantrieb. Mit unglaublichen 97 Knoten (stellenweise sogar über 100kt) schießen wir über Slowenien. So lange, bis sich unser Kurs wieder etwas aus der Windachse dreht.

Bei Lesce geht es dann mit dem uns gewohnten Antrieb weiter. Nicht mehr ganz parallel zur Windachse wechseln wir über „NIPEL“ zu Wien Information.

Ein Meer aus Wolken ist zu erkennen, je näher wir den hohen Bergen kommen. Einzelne Gebirgszüge, die über die Wolken hinausragen, ähneln der Silhoutte einer sich auftürmenden Welle. Unfassbar faszinierend, auch wenn das gleichzeitig für uns heißt, dass eine Landung in Mauterndorf immer wahrscheinlicher wird. Eine sehr markante Grenze des Wolkenmeers erlaubt es uns erstmal bis dorthin zu fliegen um von da aus mit einem besseren Überblick das Wetter beurteilen zu können. Auf 3600m haben wir noch guten Kontakt zu Wien Information, so dass wir die METAR’s von Salzburg regelmäßig abfragen können. Aber „Overcast“ und „Low layer Clouds“ reicht uns schon, um die Alternative außenrum zu fliegen auszuschließen.

Je näher wir dem von Wolken eingehüllten Gebirgszug kommen, erkennen wir ein dahinterliegendes großes Loch. Es ist das Tal, das uns zu Zell am See leiten könnte. Nach langem abwägen der Optionen entscheiden wir uns beide für eine Querung ins nächste Tal. Mit genügend Luft unter dem Hintern hopsen wir dann rüber und können spritsparend erstmal die Höhe abbauen. 

In dem Tal angekommen atmen wir tief durch. Ein Großteil der Anspannung ist von uns abgefallen. Nun heißt es „nur“ noch den Tälern entlang den GAFOR-Routen zu folgen, bis wir die Alpen hinter uns lassen können. Glücklicherweise sind die GAFOR-Routen zum Ende hin wieder als „Oscar“ eingestuft. 

Nach dem letzten Rechtsknick war es vorbei mit Sonne. Eine graue, trübe Wand blockiert uns den Weg. Die Wolken sind tief, sehr tief sogar. Für die Einhaltung der Mindesthöhe reicht es aber noch. Nun hangeln wir uns von Flugplatz zu Flugplatz, immer mit einem, eher zwei Augen auf die Tanknadel, die dem unteren Anschlag schon nahegekommen ist. So kriechen wir mit den letzten Tropfen in den Anflug unseres allseits beliebten Flugplatzes Oberscheißheim.

Nach einer kurzen Mittagspause geht es dann mit vollem Tank zum Endspurt über. Nach dem Start kreuzen wir aufgrund der besonderen Platzrunde die Kontrollzone von München, und erfreuen uns dann nach einiger Zeit und hinter der Regenfront bestem Wetter.

Von dort an geht es nur noch stur geradeaus. Durch die thermisch aktive Luftmasse ist leider nix mit unserem Autopiloten, sodass sich der Endspurt nochmal als sehr anstrengend erweist. Der Hintern tut weh, wir sind müde und ausgelaugt. Wir haben nichts mehr zu trinken und sehnen uns sehr nach Gefrierbeuteln zum erleichtern. Das Einzige, was uns motiviert, ist das Siebengebirge, das am Horizont immer größer sichtbar wird.

In der Platzrunde angelangt heißt es ein letztes Mal volle Konzentration. „Vergaservorwärmung ein, Spritpumpe ein, fasten your seatbelts“. Wenig später sind wir im Endteil. Ein kurzes schleifen des Grases an den Haupträdern signalisiert eine Landung wie sie im Buche steht. „Endlich“ mit der letzten Kraft drücken wir die Haube nach oben und quälen uns aus dem Cockpit. 

Damit ist die Reise, das Abenteuer, bzw. unser Urlaub vorbei. Viele neue Erfahrungen und Eindrücke werden uns bei der hoffentlich bald anstehenden nächsten Reise sicherlich unterstützen.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass man auch mit kleinem Gerät und wenig Budget weit kommt und viel erleben kann!

Bis zur nächsten Reise

Pasi und Nils 😉

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