Die Kölner an der Porta

Die Kölner Segelflieger starten nicht nur zuhause in Eudenbach, sondern immer wieder auch auf fremden Flugplätzen. Außergewöhnliche Erlebnisse sind dabei oft vorprogrammiert. Wie auch in diesem Beispiel vom Ende der Saison 2019 an der Porta Westfalica. Ein Bericht von Nils Heck.


Donnerstagabend

Vor den heimischen Smartphone-Bildschirmen:
Martin, unser „Porta-erfahrenster“ Pilot des Vereins, schickt kommentarlos den Screenshot einer Windvorhersage von Porta Westfalica für das kommende Wochenende in unsere gemeinsame WhatsApp-Gruppe. Offenbar möchte er uns indirekt mitteilen „Kommt Jungs, lasst uns das Wochenende an der Porta verbringen!“. Um an dem Nordrhein-Westfälischen Hangflugmekka nennenswerte Distanzen zurücklegen zu können, braucht es möglichst konstanten und recht starken Wind – und zwar aus einer ganz bestimmten Richtung, nämlich so, dass der Wind genau auf dem Hang „steht“. Dann lässt sich nämlich die durch das geologische Hindernis nach oben abgelenkte Luftmasse nutzen, um darin mit einem Segelflugzeug ohne Motor Höhe zu gewinnen. Insgesamt sah die Vorhersage tatsächlich danach aus, als ob das Wetter für etwas längere Flüge reichen könnte. Um ganz sicher zu gehen und nicht umsonst vier Stunden anzureisen, entschieden wir uns, die aktualisierte Vorhersage von Freitagabend abzuwarten.


Freitag

Nach einem Midfield-crossing mit Marius am Flughafen Köln/Bonn und einem anschließenden Sunsetflug mit Maurice in unserem Motorsegler folgte abends der entscheidende Blick auf die mit Windpfeilen animierte Vorhersagekarte. Der Entschluss stand schnell: Wir fahren morgen früh! Also galt es, mit vereinten Kräften – danke nochmal an Martin und Marius – noch eben die ASK-21 abzurüsten und in ihren Anhänger zu verfrachten.

Im Scheinwerferlicht einiger Autos wird die ASK-21 bei Dunkelheit in ihrem Anhänger verstaut

Samstagmorgen

Nach einer nicht besonders langen Nacht treffen Maurice und ich uns am Autobahnzubringer und machen uns mit dem Doppelsitzer „am Haken“ auf den Weg nach Porta Westfalica. Der Dauerbetrieb der Scheibenwischer lässt jedoch nichts Gutes erahnen. Niederschlag hat nicht nur maßgeblichen Einfluss auf die Windrichtung und -stärke, sondern sorgt auch für sehr schlechte Sichtverhältnisse. Das würde einen Flug unmöglich machen. Wir lassen uns aber nicht die Laune vermiesen und hoffen einfach weiter darauf, dass es im Laufe des Tages schon noch fliegbar werden wird.
Am Zielort angekommen treffen wir sofort Martin mit seiner LS-4 und haben dank ihm und einiger anderer Fliegerkameraden die schwere ASK-21 schnell zusammengebaut. Auch als es dann anfängt, zu schauern, sind wir nicht entmutigt und schieben die „21“ an den Start.
Nachdem diverse Hochleistungs-Einsitzer aus den Niederlanden, Bayern und anderen Teilen Deutschlands gestartet sind, setzt erneut Regen ein. Wir sind in der Startaufreihung inzwischen ein gutes Stück nach vorne gerutscht, sind fest entschlossen es noch zu versuchen und setzen uns ins Flugzeug, um den Regen abzuwarten. Als der Regen aufhört und wir unsere Hauben öffnen, stellen wir fest, dass sich die Warteschlange hinter uns mehr oder weniger aufgelöst hat. „Egal, es sieht jetzt okay aus, wir probieren es, und wenn wir nach 10 Minuten wieder unten sind ist es auch okay.“ sagen wir uns. Und dann ging es los: Ein „Falke“ mit zum F-Schlepp geeigneter Motorisierung rollt auf die Piste auf, das Schleppseil wird eingeklingt.


Nach einem letzten Startcheck heben wir ab und klinken, nach einem durch den Wind bedingt recht ruppigen Schlepp, kurz vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus. Es dauert nicht lange, bis auch wir als Hangflug-Neulinge das Steigen gefunden haben. Schnell gewinnen wir Vertrauen in den Hang und machen uns schließlich auf nach Westen, immer am Hang entlang, immer nah am Boden, immer mit satter Fahrt. Wir begreifen: Es lohnt sich, hier zu zweit im Cockpit zu sitzen. Einer fliegt, der andere genießt den Flug und achtet dabei auf potentielle Außenlandeflächen, sollte der Hang plötzlich nicht mehr „gehen“, der Weg durch Regen abgeschnitten werden oder ähnliches. Denn wenn man sich an der Porta mal „verzockt“, hat man nicht besonders viel Höhe oder Zeit sich für einen „Acker“ zu entscheiden. Mehr noch, eigentlich fliegt man ständig mit dem Gefühl, sich im Queranflug auf eine Wiese zu befinden…. Für uns eingefleischte Flachland-Thermikflieger etwas völlig neues. Hinzu kommt der nicht unerwartete, dafür umso stärkere Verkehr anderer Segelflugzeuge, die meist auf exaktem Gegenkurs mit Annäherungsgeschwindigkeiten um die 300 km/h auf uns zuschießen. Wir halten uns eisern an die Hangflug-(Ausweich-)Regeln und sagen uns im Cockpit gegenseitig ständig den Verkehr an, damit wir kein anderes Flugzeug übersehen.


Vorbei an der Wittekindsburg und verschiedenen Funkmasten, Kirchentürmen usw. trägt der Hang uns super. Obwohl er im Verlauf des Flugwegs immer flacher wird und wir immer mehr auf potentielle Außenlandefelder schielen, keimt doch ein Gefühl großer Freude. Denn wo sonst kann man mit einem Segelflugzeug aus dem unteren Leistungssegment mit 150 km/h in Bodennähe herumfliegen und dabei, mit zunehmend größerem Vertrauen in den Hangaufwind, relativ sicher sein, dass man auch wieder zurück zum Flugplatz kommt?!


„Ist das geil“ schallt es im Cockpit aus unseren Mündern, nachdem wir am ersten, nach Westen ausgelegten, Schenkel wenden. Der Rückweg zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal macht dann mit deutlicher Rückenwindkomponente doppelt so viel Spaß. Um vom Flugplatz Porta Westfalica am Hang nach Osten fliegen zu können, muss man vom Denkmal einen größeren Sprung über ein Tal wagen. Mit der ASK-21, einem gutmütigen aber leider nicht besonders Leistungsstarken Flugzeug, trauen wir uns das aber erst, als wir unseren Schenkel entlang des Westhangs einige Male abgeflogen haben. Mit leichten Restzweifeln entscheiden wir uns dann, es den anderen Fliegern (unter anderem einer „21“ aus dem ortsansässigen Verein) gleichzutun. „Da hinten kurbeln welche“ sagt Maurice, als wir auf der anderen Seite ankommen. Uns ist klar: Da müssen wir hin!
Leider trägt der Osthang nicht so, wie wir das vom Westhang „gewohnt“ sind. Wir probieren aus, schaffen es aber nicht so recht, wieder rettendes Steigen zu finden. Plötzlich ist jedwede anfängliche Euphorie verflogen. Eine Erhöhung im Gelände mit einer Hochspannungsleitung versperrt uns schließlich den sicheren Weiterflug, sodass wir, inzwischen in Ameisenkniehöhe angekommen, umkehren müssen. Ich höre nur ein „Der braune Acker da vorne links“ und antworte Maurice. „In Sicht“, sage ich und schon ein paar Sekunden später drehe ich unsere Maschine in den Endanflug. Kaum aufgesetzt, bremst uns der weiche, vom Regen durchnässte Acker zügig ab.


Außenlandungen sind natürlich irgendwie immer blöd, gehören aber letztlich zum Segelfliegen dazu. Und wenn man sich an ein paar Grundregeln hält, passiert dabei in der Regel auch nichts. Wir machen unsere Hauben also mit einem Lächeln auf. Auch, weil uns ein netter Anwohner, der das nun doch eher ungewöhnliche Spektakel vom Boden aus beobachtet hatte, direkt Hilfe anbietet und bald mit einem Trecker wiederkommt. So haben wir kein Problem das Flugzeug auf einen anliegenden Feldweg zu ziehen, auf dem das Abrüsten dann ohne große Umstände von der Hand ging.


Den Tag lassen wir schließlich nach getaner Arbeit beim Griechen um die Ecke und später im Vereinsheim des Flugplatzes ausklingen. Dabei haben wir das große Vergnügen, die Fliegerkameraden der ansässigen Vereine kennenlernen zu dürfen, die uns freundlicherweise auch im Vereinsheim übernachten lassen. Entgegen der Vorhersage hoffen wir also für den nächsten Tag noch einmal auf fliegbares Wetter….

Sonntag

Morgens müssen wir leider schnell einsehen: „Dat wird nix“. Also Mittags das Flugzeug wieder ans Auto gehängt, verbringen wir einige Stunden auf der Autobahn und lassen unser Erlebnis vom Samstag revue passieren.
Zu Hause in Eudenbach angekommen, sind wir dann noch gute drei Stunden damit beschäftigt, am Flieger alle Spuren der Außenlandung zu beseitigen. Als der Flieger dann endlich sauber und gut eingepackt im Anhänger in der Halle steht, wollen wir nur noch nach Hause.

Während der stundenlangen Reinigung der „21“


Auch wenn wir uns letztlich von einer zu optimistischen Vorhersage haben verleiten lassen, war es ein tolles Wochenende. Der Aufwand für die geringe Flugzeit war zwar sehr groß, dennoch war es für’s erste Mal „Porta fliegen“ ein großartiger Flug und die Reise definitiv wert. Schließlich ging es nicht darum, einen neuen Rekord zu brechen, sondern Spaß zu haben und was sinnvolleres zu tun, als das Wochenende auf der Couch zu verbringen.



Vielen Dank an Marius, Matthias, Paul und Martin fürs Auf- bzw. Abrüsten, sowie den „Locals“ der Porta Westfalica für das Vertrauen und die Unterkunft. Und natürlich an den netten Anwohner mit Trecker und Hund.



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